< zurück zur Übersicht
Vortrag zum Thema "Haustiere in Deutschland und Japan" von Bernhard Slominski

1. Begriffsbestimmung
2. Ursprünge der Haustierhaltung
3. Tiere in der Religion
4. Haustiere in Deutschland und Japan im Vergleich
5. Einzelbetrachtung von Tieren
6. Ausblick: Elektronische Haustiere
7. Zusammenfassung

1. Begriffsbestimmung
Die Haustierdefinition findet man in der wissenschaftlichen Literatur:
Def. Haustiere:
Tiere, die der Mensch zu seinem Nutzen hält und die unter den Menschen leben. Als weitere Merkmale werden Zahmheit genannt. Sie ist Vorraussetzung für den engeren Umgang des Menschen mit den Tieren (Melken, Reiten, Nutzen als Zug- und Packtier). Häufig werden Nutztiere gezüchtet, dabei wird die Vermehrung kontrolliert und die Wildform isoliert. Durch die Züchtung kommt es bei den Haustieren zu einer größeren Artenvielfalt.

Def. Domestikation Gesamtheit aller Handlungen, die mit der Überführung von Wildtieren in Haustiere in Verbindung stehen. Die Domestikation erstreckt sich meist über viele Generationen. Dabei wird ein kleiner Teil der Wildpopulation entnommen, teilweise aus unterschiedlichen geographischen Populationen

=> Der wissenschaftliche Begriff unterscheidet nicht zwischen Nutztieren und Tieren, die zum Vergnügen gehalten werden. D.h. der Umgangssprachliche Begriff unterscheidet sich vom wissenschaftlichen Begriff.

2. Ursprünge der Haustierhaltung
Der Hund gilt nach dem aktuellen Forschungsstand als das älteste Haustier des Menschen. Der älteste Fund stammt aus Deutschland, zwar aus Oberkassel in der Nähe von Bonn. Ca. 12000 v Chr. wurden dort Tierknochen zusammen mit menschlichen Knochen gefunden. Aus den Zahnreihen konnte abgeleitet werden, daß es sich um ein domestiziertes Tier handelte. Es wird angenommen, daß der Mensch zunächst junge Welpen domestizierte, die sie von Ihren Raubzügen zurückbrachten, dabei nutzten sie das Rudelverhalten der Tiere, das eine feste Rangordnung voraussetzt. Aufgrund seiner Anpassungsfähigkeit war der Wolf praktisch auf der gesamten nördlichen Halbkugel zu finden. Deshalb kann man in fast allen Kulturen Spuren der Hundehaltung finden. Benutzt wurde der Hund vor allem als Jagdhund. Je nach Kultur und geographischer Lage wurde der Hund auch anderweitig benutzt, z.B. als Schlittenhund. Nach dem Hund wurden als nächstes Schafe und Ziegen als Haustiere gehalten (ca. 8000 v. Chr.). Auf der Tabelle kann man die weiteren Domestikation der Tiere sehen.

3. Tiere in der Religion
Bei der Rolle der Tiere in der Religion lassen sich interessante Unterschiede feststellen.

Tiere in der Bibel
Beispielhaft wird hier die Rolle der Hunde in der Bibel untersucht. Generell fällt auf, daß Hunde sehr selten erwähnt werden. Wenn Hunde erwähnt werden, so werden sie als sehr geringschätzig und abfällig bezeichnet. In der Bibel finden sich Zitate wie:
"... werfe es vor die Hunde"
"...heraus, heraus Du Bluthund, du loser Mann"
"...und die Hunde sollen Dein Fleisch essen"
=> Die Bibeleinschätzung der Hund ist sehr negativ. Ein Rolle spielt auch die Gefangenschaft des Volkes Israel in Ägypten, wo Hunde verehrt worden sind, das Volk Israel aber in Knechtschaft und Unterdrückung lebte.

Tiere im Shintoismus Der Shintoismus ist eine Naturreligion und die Urreligion Japans. Dabei spielt die Naturverehrung eine große Rolle. Vereht werden z.B. die Sonne, der Mond, Berge (z.B. der Fuji), Meere, Bäume usw. Tiere werden oft als Begleiter der Gottheiten dargestellt. So sind bestimmte Tiere verschieden Gottheiten zugeordnet. Das bekannteste Beispiel sind Füchse, die dem Reisgott Inari zugeordnet sind. Oft sieht man vor Shinto Schreinen Hunde, die Koma-inu (koreanische Hunde), die allerdings nicht als Götter sondern Begleiter der Götter dienen

Zusammenfassung In der Bibel und in den Anfängen des Christentums wurden die Hunde als niedrige Wesen verachtet. Es gab keine Verehrung oder Hochschätzung von Tieren, In der Shinto Religion werden einzelne Tiere als Begleiter von Gottheiten dargestellt und verehrt.

4. Haustiere in Deutschland und Japan im Vergleich
Umfrage: Wie viele deutsche und Japaner haben Haustiere?
Wo werden mehr Haustiere gehalten?


Betrachtet man die Zahlen, so stellt man fest, daß in Japan in 49 % der Haushalte Haustiere leben, im Gegensatz zu Deutschland mit 34 %. D.h. in Japan gibt es in jedem 2. Haushalt Haustiere, in Deutschland nur in jedem 3.

Betrachtet man die Verteilung in Japan, so sieht man, daß Hunde am beliebtesten sind und in 24 % der Haushalte leben, gefolgt von Fischen (21%) und Katzen (11%). In Deutschland sind Hund und Katze ungefähr gleich beliebt (14%). Danach kommen Kleintiere (8%), Vögel (7%) und Fische mit 6%.

Die Zahlen zeigen, daß es große Unterschiede in der Haustierhaltung gibt. Japaner sind ausgesprochene Fisch-Freaks. In Japan gibt es seit längerer Zeit einen Fisch Boom, Fische sind im Trend. Sie brauchen wenig Platz und können auch in einer Stadtwohnung gehalten werden. Außerdem sieht man in Japan viele Tauchberichte. Deshalb möchten viele Leute Fische als Haustiere.

In Japan wird ca. 15 Milliarden DM für Tiere ausgegeben in Deutschland dagegen nur 5 Millarden

5. Einzelbetrachtung von Tieren
In der Einzelbetrachtung möchte ich hier Hunde und Koi betrachten. Diese scheinbar willkürliche Auswahl soll Eigenheiten in den verschiedenen Ländern deutlich machen. Allerdings hätten hier genauso gut andere Tierarten ausgesucht werden können. Die Liebhaber anderer Tiere mögen mir verzeihen.

5.1 Der Hund
Geschichte des Hundes in Deutschland/ Europa
Mittelalter
In adligen Kreisen wurde der Hund vor allem zur Jagd benutzt. Die Kunst der Zucht und der Jagd wurde immer weiter verfeinert. Die Jagdhunde der Adligen waren gepflegt und führten ein angenehmes Leben. Die Hunde der Bauern dagegen führten ein ärmliches Dasein als Hüter von Schafen oder Schweinen, aus dieser Zeit stammt auch das Schimpfwort Schweinehund. Die biblische Hundeverachtung begann sich im Spätmittelalter langsam zu ändern. Die anderen Sichtweisen, z.B. im Hinduismus und von den antiken Philosophen, die dem Hund eine Seele zusprechen begann das alte Bild in Frage zu stellen. Es begann die Haltung von unnützen Hunden, also Hunde zum Vergnügen der Menschen, die keine Jagd oder Schäferhund waren. Die Anfänge der unnützen Hunde konnte man bei den Damen des engl. Hochadels beobachten.
Später hielten sich auch viele Herrscher Hunde, so wurde dem engl. Stuart König Jakob I (17. Jhd) vorgeworfen seine Hunde mehr als sein Volk zu lieben. Die Hundehaltung weitete sich auf andere Bevölkerungsgruppen aus, so hielten viele Studenten Hunde, u.a. auch Goethes Sohn, sehr zum Leidwesen seines Vaters. Beliebt waren bei den Studenten große Hunde, die oft als Köter bezeichnet wurden. Im 18. Jhdt. wurden Hunde auch bei den normalen Bürgern immer beliebter. Am Anfang waren Möpse sehr beliebt, später dann Spitze und Pudel. 1830 wurde die Hundesteuer eingeführt.
Nach der Revolution vom 1848 wurde das adlige Jagdprivileg abgeschafft. Ein berühmter Tierfreund war der Reichskanzler Bismarck, seine Dogge Sultan wurde ehrfürchtig "Reichshund" genannt. Bismarcks nächster Hund Tyras erregte Aufsehen als er den russischen Reichskanzler Gortschakow in die Beine biß (1878). Im 3. Reich machte die Propaganda auch vor den Hunden nicht halt. Dabei wurde der deutsche Schäferhund oft auf Bildern mit abgelichtet. Hitlers Schäferhündin Blondi war oft auf Fotos zu sehen und sollte ihn als sympathischen Tierfreund darstellen. Juden durften ab 1942 keine Haustiere mehr halten, sie blieben von den Deportationen verschont, da die Strapazen dem Tierschutzgesetz widersprachen. Hunde wurde auch in den KZs eingesetzt und durften - im Gegensatz zu Frauen - SS Uniformen tragen. Die Hunde wurden also in allen Bereichen für die NS Propaganda mißbraucht.

Im heutigen Deutschland ist der Hund das zweitbeliebteste Haustier. Die Zuchtstatistiken, in denen nur deutsche Züchter erfaßt werden, weisen den Schäferhund als beliebtesten Hund aus vor Dackel, Drahthaar und Pudel,

Hunde in Japan Japan hat einige japanische Rassen hervorgebracht.
Die älteste Rasse ist der Shiba-inu, der wahrscheinlich schon im 4 Jhd.. v. Chr. als Jagdhund gezüchtet wurde. Eine weitere alte Hunderasse ist der Hokkaido, der Hund der Ainu, der früher auch Ihren Namen trug. Diese Rasse wird heute noch von den Ainu als Jagdhund benutzt. Eine weitere Hunderassen aus Japan ist der Japan-Chin, er wurde dem Japan. Kaiser von chin. Herrschern geschenkt und die Japaner haben seine Züchtung perfektioniert. Admiral Perry wurde 1853 ein paar Japan-Chins geschenkt, die er an Queen Victoria weitergab. Der wohl bekannteste Hund in Japan ist der Akita. Er stammt aus der gleichnamigen Präfektur in Nordjapan und ist ca. 300 Jahre alt. Der Hund wurde 1931 zum Nationalhund erklärt und ähnlich wie der deutsche Schäferhund als nationales Symbol gebraucht. Weiter japanische Hunderassen sind 6 Spitzrassen und eine Kampfhundrasse, der Tossa-inu. Interessant ist auch die Tatsache, daß nach dem Tod das Fell des Hundes manchmal in der Wohnung aufgehängt wird, ein Zeichen der japanischen Ahnenverehrung.

5.2 Der japanische Koi Da sich die Koi weltweit immer größerer Beliebtheit erfreuen soll hier die japanischen Ursprünge untersucht werden. Der Koi ist in Japan das Symbol für Glück, Tapferkeit und ein langes Leben. Am 5. Mai, dem Tango-Fest sieht man überall in Japan große, bunte Seidenkarpfen. Mit den Seidenkarpfen wird allen Jungen ein gesunden, glückliches Leben gewünscht. Der Koi ist ein Karpfen und hat die längste Geschichte der domestizierten Fische. Er kam aus Persien und Zentralasien über China nach Japan. Erste Spuren der Karpfenhaltung finden sich in Japan bereits 200 v. Chr. Die Züchtung in der jetzigen Form begann allerdings erst vor. ca. 160 Jahren in der Nähe von Niigata. Die Fischzüchter in dieser Gegend wollten zunächst nur Speisekarpfen züchten, durch ein Zufall wurden gelang es ihnen aus grauen Karpfen schöne, farbige Mutanten zu züchten. Damit find die Koi Zucht an und wurde immer weiter perfektioniert. Koi werden bei guter Pflege 25 - 35 Jahr alt, können aber in Ausnahmefällen auch über 100 Jahre alt werden. Die schönsten Koi werden auf Zuchtausstellungen prämiert und sind teilweise sogar Millionenbeträge (in DM!) wert. Ein Weibchen legt ca. 200.000 Eier, davon sind nur ca. 5000 farbig und nur ca. 10 von der selben Farbqualität der Eltern, die Koizucht bedeutet als immer auf den Zufall hoffen, es gibt nicht wie bei Hunden oder Katzen bestimmt Rassen Das erklärt auch die hohen Preise für die Koi.

6. Ausblick: Elektronische Haustiere
Mit Erfindung des Tamagotchi in Japan wurde das elektronische Haustier geboren. War der Tamagotchi anfangs noch eine große Sensation, so ist er genauso schnell wieder vergessen worden. Während der Tamagochi eine primitives, billiges Schülerspielzeug war, hat die Firma Sony mit Ihrem Unterhaltungsroboter Aibo 1999 ein anspruchsvolles Hightechspielzeug geschaffen. Aibo hat eine eingebaute Kamera, er kann sprechen, hören, sehen und lernen. Er reagiert auf seine Umwelt, kann Kommandos ausführen, antworten zeigt eigene Gefühle. Die neueste Version von 2003 hat sogar einen Internetzugang. Sony hat schon 50.000 der High-Tech Lieblinge verkauft, und das zu einem stolzen Preis von ca. 2000 Euro. Bis jetzt ist es eher ein Spielzeug für High Tech Freaks, es bleibt abzuwarten, inwieweit Aibo ein richtiges Haustier ersetzen kann,.

7. Zusammenfassung
Die Auseinandersetzung hat gezeigt, dass es in vielen verschiedenen Bereich interessante Aspekt zum Thema Haustiere gibt. In der englischsprachigen Literatur zum Thema Japan findet man zu diesem Thema, so gut wie keine Quellen. Dennoch kann man bei der Beschäftigung mit diesem Thema viel über das jeweilige Land lernen. Den ich finde der Umgang mit Haustieren, zeigt viel über die Geschichte und Gesellschaft eines Landes

(c) 1999-2010 B. Slominski, Letzte Änderung: 20.8.2005