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1. Einleitung 2. Das Reiseverhalten der Deutschen und Japaner 2.1 Gemeinsamkeiten und Unterschiede 2.2 Das Reiseverhalten der Deutschen 2.3 Das Reiseverhalten der Japaner 2.4 Ein Vergleich der Verhaltenstypen 3. Schlußbetrachtung |
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1. Einleitung |
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Japan und Deutschland sind die zweit- und die drittgrößte Wirtschaftsmacht der Welt nach den USA. Diese Wirtschaftskraft führt natürlich auch dazu, daß in vielen Urlaubsländern der Welt Japaner und Deutsche oft zahlenmäßig die größten Besuchernationen sind. |
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2. Das Reiseverhalten der Deutschen und Japaner |
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2.1 Gemeinsamkeiten und Unterschiede |
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Das Reiseverhalten der Japaner und der Deutschen weist neben augenfälligen Unterschieden im Auftreten - auf der einen Seite die japanische Reisegruppe mit allzeit griffbereiten Fotoapparat, auf der anderen Seite den mit einem Bierbauch gesegneten Deutschen auf Mallorca - auch Gemeinsamkeiten auf. Beiden typischen Vertretern ist eine gewisse Arroganz gegenüber dem besuchten Land zu eigen. Dies ist bedingt einerseits durch das Wissen der wirtschaftlichen Überlegenheit und die Kaufkraft der eigenen Währung, aber auch durch kulturelle Faktoren. Beiden Ländern gemeinsam ist die koloniale Vergangenheit und die Überzeugung von der kulturellen Überlegenheit, von der eigenen Zivilisiertheit. Die Akzeptanz des superioren Gehabes der Touristen in den bereisten Ländern fördert das Überlegenheitsgefühl. Demgegenüber stoßen z.B. finanzkräftige Reisende aus arabischen Ölstaaten keineswegs auf solch breite Akzeptanz wie Touristen aus Deutschland oder Japan. |
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2.2 Das Reiseverhalten der Deutschen |
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Die Deutschen im Urlaub kann man grob in zwei Kategorien unterteilen. Die Individual- und die Pauschaltouristen. Der Individualreisende par excellence ist der Backpacker, der nur mit dem nötigsten ausgerüstet in ein fernes Land aufbricht und sich mit Schlafsack und Zelt durch ein Land kämpft, dessen Einheimische bisher kaum irgendwelche Ausländer zu Gesicht bekommen haben. Dagegen bucht der Pauschalreisende bei einem großen Reiseveranstalter wie TUI oder Neckermann eine ein- bis dreiwöchige Reise, Hotel mit Halb- oder Vollpension und Flug inklusive. Ich bin der Meinung, daß die Begriffe Erlebnistourismus versus Erholungstourismus dieses Verhalten besser charakterisieren. Der Erlebnistourist möchte ein fernes Land unverfälscht kennen lernen. Im Extremfall möchte er als einer der ersten Fremden wie ein Entdecker ein jungfräuliches Land erforschen. Leider ist ihm in den seltensten Fällen bewußt, daß er in einem immerwährenden Wettlauf ist. Indem er ein bisher unberührtes Land bereist, verfälscht er langsam die alten kulturellen Lebensweisen der Einheimischen und macht das Land nach und nach bereit für einen Tourismus im größeren Umfang. Der Individualtourist ist nichts anderes wie der Vorreiter des Massentourismus. Aus einem schmalen Pfad wird nach und nach ein breiter Trampelpfad, wie z.B. in Bali oder Thailand geschehen. Der Erholungstourist auf der anderen Seite möchte nichts anderes als die schönsten Wochen im Jahr im sonnigen Süden verbringen und keine unnütze Energie verschwenden, näher auf das besuchte Land einzugehen. Lieber hält er auch in einem fernen Land an seinen Gewohnheiten fest und bevorzugt deutsches Bier und Wiener Schnitzel gegenüber den exotischen aber unbekannten einheimischen Gerichten. Natürlich kann man dieses unsensible und desinteressierte Verhalten kritisieren, aber einerseits machen diese Touristen etwas worauf es beim Urlaub wirklich ankommt, nämlich sich von einem harten Arbeitsjahr zu erholen, und andererseits können diese Massentouristen in einer eng abgrenzten Bettenburg auf Gran Canaria, Mallorca oder am Adriastrand am wenigsten anstellen. Wenn Millionen von DM-Touristen sich wie erlebnishungrige Rucksacktouristen durch alle Winkeln der Erde schlagen würden, wäre auch die letzten unberührten Gebiete bedroht. |
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2.3 Das Reiseverhalten der Japaner |
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Wie schon eingangs erwähnt sind die auffälligsten japanischen Touristen, insbesondere in Europa, die Gruppenreisenden. Manche Deutsche unternehmen solche Reisen auch. Der treffende Begriff ist hierfür Studienreise wie sie z.B. nach China oder zu alten Ruinenstädten in Jemen angeboten werden. (letzteres sollte aber in letzter Zeit öfters in unorganisierte Erlebnisreisen mit ungewissen Ausgang als Gast einheimischer Beduinenstämme geendet haben.) Man findet die Japaner an allen bekannten Sehenswürdigkeiten der Welt und auch mir ist schon passiert, daß ich eine Japanerin, die ich an der Doshisha-Universität in Kyoto kennengelernt hatte, ein paar Monate später in der Schlange vor dem berühmten Abendmahlgemälde von Leonardo da Vinci in Mailand wiedergetroffen habe. Alle Japaner reisen entweder genau mit demgleichen Reiseführer oder haben instinktiv ein Wissen darüber welche Sehenswürdigkeiten eines Landes man gesehen haben muss, wenn man es besucht. In Deutschland gibt es dazu auch eine relativ kurze Liste: Das Rheingawa, Heidelberg, Rothenburg ob der Tauber, Schloß Neuschwanstein und das Hofbräuhaus. (Zur Zeit natürlich auch das Oktoberfest. Habe ich noch irgendetwas vergessen?) Die Gründe für die hohe Anzahl der Japaner, die gut organisierte Gruppenreisen buchen, die versprechen Europa in acht Tagen kennenzulernen, sind folgende: Japanische Arbeitnehmer haben nicht soviele Urlaubswochen wie ihre deutschen Kollegen und müssen deshalb ein gedrängteres Programm absolvieren. Darüber hinaus sind Reisen für Japaner wie ein teures Importauto eine Prestigesache. Wenn der Nachbar letztes Jahr nach Italien gereist ist, dann muß ich diese Jahr nach Deutschland, Paris und London. Der wichtigste Grund für diese durchorganisierten Reisen ist aber, daß in Japan die Organisation der Freizeit (und des Lebensablaufs schlechthin) einen wesentlich höheren Stellenwert einnimmt als in Deutschland. Dabei ist die Organisation offenbar ein Resultat des Verlangens nach Sicherheit (anzen, anshin). Durch das Organisieren von Abläufen werden Unsicherheitsfaktoren minimiert und das Reiseverhalten kontrollierbarer. Sponaneität und Risikobereitschaft werden zugunsten von exakter Planung und Konvention in den Hintergrund gedrängt. Das Gefühl, organisierte Abläufe vermittelten Sicherheit, scheint bereits strukturell in der japanischen Erziehung angelegt zu sein. Selbstbehauptung, Autonomie und Unabhängigkeit des Individuums stehen nicht auf der Prioritätenliste der Erziehungsziele. Darüber hinaus fühlen sich die Japaner in einer Gruppe sicherer und besser aufgehoben als allein, da in Japan immer noch die Vorstellung gepflegt wird, daß der Inselstaat mit einer langen Zeit der Landesabschliessung anders als andere Länder ist. Das Wissen über andere Länder (z.B. geschichtliches und geographisches Wissen) ist zwar deutlich größer als das von Nicht-Japanern über Japan, aber die direkte Begegnung mit dem Ausland geschieht noch recht selten. Mir persönlich ist aufgefallen, daß mindestens die Hälfte der japanischen Studenten, also im Alter zwischen 19 und 23 Jahren, noch nie im Ausland waren. Ich wette jeder der anwesenden Deutschen ist im Alter von 10 Jahren schon mindestens einmal mit seinen Eltern ins Ausland gefahren. |
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2.4 Ein Vergleich der Verhaltenstypen |
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Versucht man den japanischen Gruppenreisenden in das Schema Erlebnisreisenden/Individualtouristen versus Erholungsreisenden/Pauschaltouristen einzuordnen, so fällt das im ersten Moment schwer. Einerseits ist der typische Japaner erlebnisorientiert, aber durch sein Sicherheitsdenken bucht er die ganze Reise vor und wäre somit beim Pauschaltourismus einzuordnen. Dieses Rätsel löst sich auf wenn man eine Klassifizierung der Reisenden nach zwei Dimensionen vornimmt, nämlich nach Erlebnis versus Erholung und organisiert versus unorganisiert. Der Rucksacktourist ist demnach ein unorganisierter Erlebnistourist, der Mallorcafahrer (Ich muß mich bei Mallorca wirklich entschuldigen, sie soll eine wahrhaft schöne Insel sein) ein organisierter Erholungstourist und der japanische Studienreisende ein organisierter Erlebnistourist. |
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3. Schlußbetrachtung |
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Obwohl sich das typische Auftreten der Japaner und Deutschen als Reisende im Ausland noch stark unterscheidet, findet doch eine Angleichung der Verhaltensweisen aus zwei Richtungen statt: Jüngere Japaner unternehmen oft auf eigene Faust immer häufiger allein oder mit Freunden selbständig Touren ins Ausland, insbesondere als Studienabschlußfahrt. Dies ist meines Erachtens ein Ausdruck der zunehmenden Verwestlichung der jüngeren Generationen. Demgegenüber unternehmen Deutsche immer kürzere Pauschal-Urlaubsreisen in immer fernere Länder. Einerseits ist das eine Folge der sinkenden Flugpreise, aber andererseits können viele deutsche Arbeitnehmer immer schwieriger drei oder mehr Wochen am Stück freinehmen. |
| (c) 1999-2010 B. Slominski, Letzte Änderung: 9.8.2005 |